Blei und Gold
Es ist Frühling, und es gibt Probleme für die Likedeeler. Eine große Flotte mit zwei neuen Schiffen sucht sie. Am 13. März sind Schiffe von Lübeck losgesegelt. Sie trafen Schiffe von Hamburg und bildeten sich zu einer großen Flotte. Diese große Flotte segelt jetzt nach Ostfriesland. Die Hanse will die Likedeeler ganz und gar vernichten.
Die Likedeeler sind gute Seeleute. Sie segeln besser als die Hansematrosen, aber sie kennen diese zwei neuen Schiffe nicht. Eines heißt die Bunte Kuh. Der Kapitän heißt Hermann von Nyenkerken. Die Likedeeler kennen den Niederländer von Nyenkerken. Er ist ein guter Seemann. Die Frage ist, wer hat das bessere Schiff, Klaus Störtebeker oder Hermann von Nyenkerken?
Die große Flotte kommt nach Helgoland, wo die Likedeeler sind. Hier sind Gödeke Michels und seine Männer. Hier sind der <<Rote Teufel>> und seine Männer.
Nach langer Zeit kommen die Hanseschiffe in Helgoland an. Morgen wird es einen großen Seekampf zwischen den Likedeelern und der Hanseflotte geben. Wenn die Likedeeler gewinnen, werden sie auf Kaperfahrt gehen können. Wenn die Hanseflotte gewinnt, werden die Likedeeler sterben.
Am Abend vor dem Kampf kommt ein Fischer zum Seetiger. Er will seine Abendsuppe kochen, aber der Wind ist zu stark. Dürfte er neben dem Schiff unter dem Wind ein Feuer machen? Der Käpt’n sagt <<Ja>>.
Am Morgen des Kampfes ist das Wetter schön. Der Wind ist stark. Die Schiffe werden gut segeln können. Die Likedeeler segeln in die Richtung der Hanseflotte. Nach kurzer Zeit sehen sie den Feind. Die Schiffe kommen näher.
Der Kampf beginnt. Die Schiffe beginnen ihre Manöver, aber auf einmal kann der Käpt’n sein Schiff nicht mehr manövrieren. Es gibt ein Problem mit dem Ruder, und das Schiff kann keine Manöver machen.
<<Bei Tod und Teufel!>>, ruft der Käpt’n. <<Was ist das Problem? Pitt! Hein! Seht nach dem Ruder! Was ist los?>>
Die zwei Matrosen schauen auf das Ruder. Sie sehen das Problem, aber sie können nichts tun. Das Problem ist, dass jemand Blei in das Ruder gegossen hat. Der Fischer, der am Abend seine Suppe gekocht hat, war gar kein Fischer. Er war ein Spion für die Hanse. Er hat Blei in das Ruder gegossen. Jetzt kann die Seetiger nicht manövrieren.
Die Bunte Kuh segelt näher. Die Männer an Bord werfen Steine auf die Seetiger. Die Likedeeler werfen Steine zurück. Die Matrosen des Hansechiffs schießen mit ihren Armbrüsten. Die Likedeeler schießen zurück. Dann kommt das Hanseschiff neben die Seetiger. Die Männer werfen Enterhaken auf das Deck des Schiffes und ziehen die zwei Schiffe zueinander.
<<Bei Tod und Teufel!>>, ruft der Käpt’n. Die Hanse bringt keine Männer an Bord meines Schiffes! Wir bringen den Kampf zu ihnen. Wir entern ihr Schiff. Männer, klar zum Entern!>>
Die Likedeeler gehen an Bord der Bunte Kuh. Sie wollen kämpfen. Sie wollen das Hanseschiff kapern. Aber kein Mensch steht auf dem Deck. Die Likedeeler schauen sich an. Was ist los?
Dann fällt ein Netz aus der Takelage auf die Likedeeler. Sie sind gefangen. Das ist das Ende für den <<Roten Teufel>> und seine Schiffsmannschaft. Die Männer von der Hanse gehen an Bord der Seetiger und nehmen alle Matrosen gefangen. Sie nehmen auch Götz, den Schiffsjungen, gefangen.
Zum Teufel! Was wird jetzt passieren? fragt sich Götz.
Die Hanseflotte segelt nach Hamburg. Der Käpt’n und über siebzig seiner Männer sind Gefangene. Die Hanse hat gewonnen, aber sie hat nicht alle Likedeeler geschlagen. Gödeke Michels ist davongekommen.
Klaus Störtebeker und seine Männer segeln an Bord der Bunte Kuh nach Hamburg. Sie sind nicht Gäste, sondern Gefangene. Sie haben keine schöne Kabine, sondern sitzen in Fässern, wie Störtebeker die <<Pfeffersäcke>> der Hanse immer in Fässern sitzen ließ, wenn er sie gefangengenommen hatte. Die Likedeeler sind Gefangene und werden sterben. Das wissen sie ganz genau, denn die Hanse sagt, sie seien Piraten. Götz hat Angst. Er will nicht, dass sie ihm den Kopf abschlagen. Er will nach Kalifornien zurück, aber er weiß nicht wie.
Der Käpt’n sagt: <<Es tut mir leid, Junge. Du hättest nicht mitkommen sollen. Du hättest in Marienhafe bleiben sollen, wo du lesen und schreiben könntest. Aber es ist noch nicht alles aus. Vielleicht kann ich mit dem Stadtrat verhandeln. Wir werden sehen.>>
Nach ein paar Tagen kommen sie in Hamburg an. Die Likedeeler kommen ins Gefängnis. Dort warten sie auf ihren Prozess.
Der <<Rote Teufel>> spricht mit den Ratsherren. Er sagt, wenn sie ihn und seine Männer gehen lassen, gibt er der Stadt Hamburg eine Kette aus Gold. Diese Kette wird so lange sein, dass sie ganz um die Stadt Hamburg herum reicht.
Der Stadtrat sagt <<Nein>>. Wenn die Likedeeler tot sind, kann die Hanse nach ihrem Gold suchen. Sie brauchen den Käpt’n nicht. Er und die anderen Piraten werden sterben.
Ein paar Monate sitzen die Likedeeler im Gefängnis. Sie hören, dass sie sterben müssen. Der Henker wird ihnen den Kopf abschlagen. Dann wird sein Helfer die Köpfe nehmen und als Warnung für andere Piraten auf Pfosten am Fluss setzen.
Am 20. Oktober ist es so weit. Der Stadtrat holt die Likedeeler aus dem Gefängnis. Sie kommen auf die Insel Grasbrook im Hamburger Hafen. Dort wartet der Henker auf sie. Dort wartet der Tod auf sie.
Auf der Insel Grasbrook spricht Störtebeker mit dem Stadtrat. Die Ratsherren wollen sein Geld nicht, sie wollen seinen Kopf. Er ist immer noch der Käpt’n und versucht, seine Männer zu retten.
<<Bitte, tötet meine Männer nicht. Ich bin der Anführer, tötet mich, aber tötet die anderen nicht. Ich bin der Käpt’n, die anderen tun, was ich sage. Lasst sie leben und tötet nur mich.>>
Die Ratsherren sagen nichts. Alle Männer im Hamburger Stadtrat schauen Klaus Störtebeker an. Er schaut den Stadtrat an. Dann sagt der Bürgermeister: <<Sie sind alle Piraten. Sie werden alle mit dir sterben.>>
<<Dann tötet mich zuerst bitte. Nach meinem Tod werde ich an meinen Männern vorbei gehen. Bitte, tötet die Männer nicht, an denen ich vorbeigehe.>>
Die Ratsherren lachen alle. Der Bürgermeister sagt: <<Wenn du keinen Kopf hast, kannst du nicht aufstehen und gehen. . . . aber na gut, wenn du das machen kannst, töten wir die Männer nicht, an denen du vorbeigehst.>>
Das ist wie in der Geschichte von Frau Bezeredy! denkt Götz. Ich möchte ihr sagen, dass sie Recht hat. Der Käpt’n hat das wirklich gesagt. Aber jetzt muss ich als Pirat sterben. Ich werde Frau Bezeredy, meine Familie, meine Freunde und Staci nie wieder sehen.
<<Ich habe noch eine Bitte>>, sagt Störtebeker. <<Der Schiffsjunge ist kein Likedeeler. Wir haben ihn aus der See geholt. Er hat nichts gestohlen, er hat keinen Menschen getötet. Bitte, lasst ihn gehen.>>
Das war nicht in der Geschichte! Ich war nicht in der Geschichte! Ist die jetzt eine andere Geschichte?
<<Na gut>>, sagt der Bürgermeister. <<Aber er muss zuschauen. Dann weiß er, was passiert, wenn man Pirat ist. Danach kann er gehen.>>
Oh nein! Ich weiß, was sie machen. Die anderen Matrosen werden nicht gehen dürfen. Ich werde nicht gehen dürfen, ich werde auch sterben. Was der Bürgermeister sagt ist falsch. Es ist eine Lüge, zum Teufel! Die Ratsherren lügen, sie sind nicht gerecht.
Ein Mann bringt Götz zur Seite, wo er gut sehen kann. Götz, die Ratsherren, die anderen Likedeeler und das Volk schauen zu. Störtebeker kniet nieder und legt den Kopf auf den Block. Der Henker hebt seine Axt und schlägt Störtebeker den Kopf ab.
Störtebeker fällt zu Boden. Er steht nicht auf. Das Volk ruft: <<Störtebeker! Störtebeker! Störtebeker!>> Das Volk will nicht, dass der berühmte Pirat stirbt. Er ist für das Volk ein Held. Das Volk drängt vorwärts. Sie wollen zum Piraten. Sie brechen durch die Schranken. Ein großes Durcheinander entsteht. Die Stadtwache versucht, Ordnung zu halten, aber es gelingt nur schwer.
<<Nein!>>, ruft Götz.
Er reißt sich von dem Mann los, der ihn hält. Er rennt zu Störtebeker. Der Käpt’n ist tot. Götz nimmt die Halskette mit der Reliquie von Sankt Vinzenz aus der leblosen Hand des “Roten Teufels” und hebt sie auf. Er rennt in die Richtung des Flusses.
Ein Mann greift Götz am Hemd, aber das Hemd ist alt und reißt. Götz rennt, und der Mann hat nur ein altes Hemd in der Hand.
Götz rennt durch die Gruppe der Likedeeler. Er rennt an ihnen vorbei. Er rennt am ersten Likedeeler vorbei, am zweiten vorbei, am dritten vorbei . . . .
Das Volk ruft immer noch: <<Störtebeker! Störtebeker!>>
Götz rennt am sechsten vorbei, am siebten vorbei, am achten vorbei . . . .
Der Henker rennt ihm nach. Ein Likedeeler streckt seinen Fuß aus, der Henker stolpert über den Fuß und fällt zu Boden.
Götz rennt am neunten vorbei, am zehnten vorbei, am elften vorbei . . . .
Dann ist er an der Gruppe vorbei und sieht den Fluss, die Elbe. Götz springt ins Wasser. Er will tief in das Wasser tauchen und so weg kommen. Auf einmal kommt eine Welle und nimmt ihn mit.
Zum Teufel! Woher kommt eine Welle im Hafen? fragt sich Götz. Dann wird alles dunkel.
©2012 Robert Harrell
